Active Sourcing – alle Fakten, Chancen und Risiken

Active Sourcing als Recruiting Maßnahme

Ein Stellenangebot schreiben, das Ganze auf ein paar Kanälen posten, zurücklehnen und auf passende Bewerber warten? Das Prinzip „Post & Pray“ zieht oft nicht mehr so richtig. Oder es zieht eine Menge Bewerber an, die vielleicht gar nicht so richtig zum Unternehmen passen. Wäre es da nicht besser, gezielt nach Kandidaten zu suchen und diese direkt anzusprechen? Klar! Genau deshalb setzen laut der aktuellen Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) auch acht von zehn Top-Unternehmen auf Active Sourcing. Noch nie davon gehört? Dann wird es höchste Zeit!

Als Unternehmen selbst aktiv werden

Zeiten ändern sich – und damit auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen können sich nicht einfach mehr darauf verlassen, dass ihnen gut qualifizierte Bewerber die Bude einrennen. Eher das Gegenteil ist der Fall: Der Fachkräftemangel und der demographische Wandel zwingen Unternehmen immer mehr dazu, selbst aktiv zu werden. Das bedeutet, sich als Unternehmen proaktiv um Kandidaten für offene Stellen zu kümmern und diese anzusprechen – Active Sourcing. Auch der Aufbau eines Talentpools zählt zum Active Sourcing. Hier werden Informationen zu Personen gespeichert, die noch nicht jetzt, aber vielleicht in der Zukunft eine offene Stelle besetzen könnten. Es geht also darum, passive, aber gut qualifizierte Kandidaten anzusprechen und (früher oder später) für das Unternehmen zu gewinnen.

Darum lohnt sich Active Sourcing

Laut der CHRIS-Studie beschäftigen Top-Unternehmen (große deutsche Unternehmen mit mehr als 150 Mio Euro Umsatz) durchschnittlich zwei Mitarbeiter, die sich intensiv mit Active Sourcing beschäftigen. Diese sprechen täglich circa zwei potenzielle Mitarbeiter an. Damit lassen sich 14,4% der Neuanstellungen auf Active Sourcing zurückführen! Das bedeutet: 14,4% der Stellen sind schon einmal mit absoluten Wunschkandidaten besetzt. Active Sourcing macht Personalrekrutierung damit effektiver, zielgerichteter und schneller. Denn die Time-to-Hire wird durch diese Maßnahme deutlich verkürzt. Ein weiterer Vorteil: Die hohen finanziellen und zeitlichen Kosten für Stellenanzeigen und Bewerbungsprozesse entfallen.

Unternehmen müssen selbst aktiv werden mit Active Sourcing

Kandidaten schätzen Active Sourcing (oft!)

Ganz klar: Wer fühlt sich nicht geschmeichelt, wenn er ohne Bewerbung ein Jobangebot bekommt? Da denkt man doch eher nochmal über einen Jobwechsel nach. Und tatsächlich: Zwei von zehn Kandidaten wechselten nach einer Direktansprache ihren Job, obwohl sie gar nicht auf Stellensuche waren! Außerdem verbuchen Unternehmen 20,2% der Rückmeldungen auf Direktansprachen als positiv. Das klingt doch vielversprechend! Aber Achtung: Hier dürfen nicht die zwei Drittel der Angesprochenen vergessen werden, die gar nicht antworten. Denn leider hat die CHRIS-Studie auch ergeben…

Active Sourcing kann auch nach hinten losgehen

Und zwar dann, wenn es nervt. Das ist bereits bei jedem zehnten Kandidaten der Fall. Der Großteil ist davon genervt, dass er nur standardisierte Anfragen ohne persönlichen Bezug erhält, das Anfragen uninteressant sind und dass diese nicht zu ihren Fähigkeiten passen. Außerdem finden vier von zehn Kandidaten, dass sie zu häufig von Unternehmen angesprochen werden. Und das hat für die entsprechenden Unternehmen leider sogar den gegenteiligen als den gewünschten Effekt. Denn 60% der Kandidaten beschließen daraufhin, sich bei diesem Unternehmen überhaupt nicht bewerben zu werden. 30% reden dann sogar negativ über das Unternehmen – schlimmer kann es dann also fast nicht mehr kommen. Wenn Kandidaten sich aktiv von deinem Unternehmen abwenden und sogar „Negativwerbung“ machen, ist definitiv etwas schiefgelaufen. Deshalb ist es für das Active Sourcing nicht nur wichtig, die richtigen Methoden anzuwenden, sondern auch, die Methoden richtig anzuwenden.

Active Sourcing Methoden

Für ein Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten, Kandidaten für das Active Sourcing zu finden. Achtung: Hier geht es nur darum, wie du Kandidaten FINDEN kannst, wie du diese dann am besten ANSPRICHST, ist nochmal eine andere Sache (die wir dir aber auch weiter unten gerne erklären). Hier sind die effektivsten Methoden:

Karrierenetzwerke nutzen

Keine überraschende, aber eine wichtige Erkenntnis: Erfolgreiche Unternehmen nutzen am häufigsten Karrierenetzwerke, um nach Kandidaten oder nach Infos über bereits identifizierte Kandidaten zu suchen. Ganz oben steht dabei das Netzwerk XING, gefolgt von LinkedIn. Und auch Kandidaten nutzen diese beiden Netzwerke am häufigsten, um sich mit Unternehmen zu vernetzen und Stellenanzeigen zu erhalten.

Netzwerke nutzen beim Active Sourcing

Talent Pool aufbauen

Essentiell für ein erfolgreiches Active Sourcing ist das Aufbauen eines Talent Pools. Denn ohne Kontakte ist auch keine direkte Ansprache möglich. Der Talent Pool eines Unternehmens sollte also immer gut gefüllt und aktuell sein. Wie geht das? Zu einen können qualifizierte Kandidaten über Mitarbeiterempfehlungsprogramme identifiziert werden. So nutzt man auch interne Ressourcen optimal. Natürlich können auch Personen in den Pool aufgenommen werden, die sich bereits beim Unternehmen beworben hatten. Auf diese Bewerbung kann bei Bedarf wieder zurückgegriffen werden. Und auch Profile von ehemaligen Mitarbeitern oder Praktikanten sollten im Talent Pool nicht fehlen.

Campus Recruiting und Talent Scouting betreiben

Hier geht es vor allem darum, junge Talente zu erkennen und frühzeitig an das Unternehmen zu binden. Eine gute Möglichkeit dazu bieten Karriereveranstaltungen an Schulen, Universitäten und Hochschulen oder auch Personalmessen. Wenn Unternehmen hier schon Präsenz zeigen, werden sich zukünftige Talente auch eher an sie erinnern.

Referral Sourcing und Talent Networking nutzen

Die Idee hinter diesen beiden Begriffen ist die gleiche: Man nutzt die Beziehungen zwischen den Kandidaten. Ein guter Kandidat oder Mitarbeiter kennt höchstwahrscheinlich auch noch andere qualifizierte Kandidaten. Und genau diese Netzwerke und Verbindungen können bei der Suche nach Talenten genutzt werden.

Maßnahmen für effizientes Active Sourcing

Die richtige Ansprache

Ein passender Kandidat für die Direktansprache ist gefunden? Wunderbar! Jetzt geht es darum, diesen auch auf die richtige Art und Weise anzusprechen. Dazu muss zunächst der richtige Kanal gewählt werden. Interessant ist, dass die CHRIS-Studie hier eine „Diskrepanz zwischen den Wünschen der Kandidaten und der Realität“ findet. So wollen beispielsweise vier von zehn Kandidaten nicht über Messenger Services kontaktiert werden wollen, viele Unternehmen nutzen solche Kanäle aber trotzdem recht häufig. Die Mehrheit der Kandidaten möchte am liebsten über E-Mail angesprochen werden, gleich danach folgt die Ansprache via Nachrichten auf Karrierenetzwerken. Inhaltlich sollten Nachrichten vor allen Dingen persönlich formuliert sein. Keiner interessiert sich für eine Standardnachricht, die auch noch 100 Anderen geschickt wird. Gehe also in der Nachricht immer persönlich auf den Kandidaten und seine Fähigkeiten ein.

Unser Fazit: Active Sourcing bringt’s! Unternehmen sollten ihre Recruiting-Maßnahmen auf jeden Fall um diese Methode ergänzen. Wichtig ist aber, dass Active Sourcing umsichtig und nicht zu exzessiv betrieben wird.
Viel Erfolg beim Active Sourcen!

Das könnte dich auch interessieren: