Achtung, ansteckend! Warum Emotionen den Unternehmenserfolg beeinflussen und wie du sie effektiv steuerst

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Immer mehr Unternehmen tun etwas gegen Stress. Weil ihnen die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt – und um das Geschäftsergebnis zu verbessern. Immerhin belasten psychische Erkrankungen die europäische Volkswirtschaft mit satten 600 Milliarden Euro pro Jahr.

Neben Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance und Beratungsangeboten ist aktives Emotionsmanagement ein weiterer vielversprechender Ansatz. Bereits heute gibt es Coaches, die sich genau darauf spezialisiert haben. Zum Beispiel das Unternehmen FeelTank aus Los Angeles, das Menschen dazu anleitet, bewusst anstatt einfach nur zu viel zu denken.

Anahita Parseghian, die als Lehrerin bei FeelTank arbeitet, erklärt: „Stress wird immer durch ein Gefühl hervorgerufen, das wiederum durch Gedanken ausgelöst wird. Je besser wir unsere Gedanken und die damit verbundenen Empfindungen wahrnehmen, desto erfolgreicher können wir auch mit unseren Stressreaktionen umgehen. Spitzenleistung lässt sich nicht dadurch erzielen, dass wir einfach mehr tun. Es ist eine Art Flow-Zustand, den wir erreichen, wenn wir unser Nervensystem konsequent und bewusst beruhigen und unseren Geist fokussieren.“

Emotionen haben eine reale Auswirkung auf Mitarbeiter und folglich auf Unternehmen. „Gefühle übertragen sich wie ein Virus. Deshalb sprechen wir in diesem Zusammenhang auch von Gefühlsansteckung“, erklärt target=“_blank“>Sigal Barsade, Professor an der Wharton Business School in Pennsylvania. Wir alle wissen wie es ist, wenn man einen dieser ewigen Nörgler um sich hat, der ständig jammert, wie müde oder überarbeitet er ist. Oder wenn eine zündende Idee mit einem Schlag von den negativen Bemerkungen einer einzigen Person zunichte gemacht wird.

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„Niemand ist eine Insel“, brachte John Milton diese Phänomen einst treffend auf den Punkt. Und das gilt umso mehr für das Berufsleben im 21. Jahrhundert. Wir lassen unsere Gefühle und Veranlagungen nicht wie einen Regenschirm an der Tür stehen, sondern bringen unsere guten und schlechten Eigenschaften Tag für Tag mit ins Büro. Und das wirkt sich darauf aus, wie erfolgreich Kreativitätsmeetings sind, wie schnell Projekte abgeschlossen werden, wie gut sich Kollegen untereinander verstehen… Fazit: Unternehmen werden von den Gefühlen ihrer Mitarbeiter angetrieben.

Donald Gibson, der gemeinsam mit Sigal Barsade forscht, fasst es so zusammen: „Wir alle bringen unsere Emotionen mit zur Arbeit. Du bringst dein Gehirn mit. Du bringst deine Gefühle mit. Und deine Gefühle bestimmen, wie gut deine Leistung ist. Sie steuern dein Verhalten und erzeugen immer neue Gefühle.“

Diese können laut Barsade und Gibson in drei Gruppen aufgeteilt werden: Diskrete Emotionen, Stimmung und Veranlagung. Diskrete Emotionen tauchen blitzschnell auf und sind ebenso rasch wieder verschwunden. Beispiele sind etwa Freude oder Angst. Eine Stimmung ist ein länger andauerndes Gefühl, das meist nicht direkt mit einem konkreten Ereignis zusammenhängt. Man kann sich zum Beispiel einfach so über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen fühlen.

Die Veranlagung ist das allgemeine Lebensgefühl einer Person. Es ist gewissermaßen ihre „Marke“. Manche Leute sind eher pessimistisch veranlagt, während andere jeden Tag gut gelaunt und optimistisch zu sein scheinen.

Einer Studie zufolge gibt es fünf Hauptbereiche, in denen sich Firmen Wettbewerbsvorteile verschaffen können: intellektuelles Kapital, Kundenservice, organisatorisches Reaktionsvermögen, Produktion und Mitarbeiterbindung. Alle drei Arten von Emotionen wirken sich direkt darauf aus, wie diese Wettbewerbsvorteile genutzt werden. Wenn die Stimmung im Büro grundsätzlich eher negativ ist, wird das ganze Unternehmen ausgebremst. Mitarbeiter sind weniger kreativ, weniger serviceorientiert, weniger effektiv und haben oft innerlich bereits gekündigt. Die folgenden einfachen Tricks helfen, der Abwärtsspirale entgegenzuwirken:

1. Fang bei dir selbst an

Zahlreiche Studien belegen, dass positive Menschen leistungsfähiger sind. Ihre kognitiven Prozesse und Methoden sind viel effizienter und fokussierter. Je ängstlicher oder schwieriger du selbst bist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du die Emotionen anderer richtig interpretieren und basierend darauf Entscheidungen treffen kannst. Setze dich mit deiner eigenen Psyche auseinander, bevor du die Emotionen deiner Kollegen ins Visier nimmst.

2. Lass dich nicht von schlechter Laune anstecken

Gefühle – egal ob gut oder schlecht – verbreiten sich wie ein Virus. Daran kannst du nichts ändern, aber du kannst um negative Emotionen einen großen Bogen machen. Triff die bewusste Entscheidung, dir von Problemen oder Personen keine Energie rauben zu lassen. Vermeide Leute, die dich auf die Palme bringen. Du hast einen Kollegen, der dich ständig provoziert? Bleibe gelassen und mache dir bewusst, dass du allein die Macht über deine Gefühle besitzt.

3. Achte darauf, wie andere ihre Gefühle zum Ausdruck bringen

Diese Fähigkeit wird oft als emotionale Intelligenz bezeichnet. Beschäftige dich mit Körpersprache. Beobachte, wie deine Kollegen unter Druck oder in entspannten Situationen reagieren. Achte darauf, wie sich ihre Körperhaltung oder ihr Gesichtsausdruck verändert. Manche Leute pressen die Lippen aufeinander oder ziehen die Schultern hoch, wenn sie angespannt sind. Mit ein wenig Übung wirst du schon bald in jeder Situation intuitiv richtig handeln: offen mit der Person sprechen, sie motivieren oder die Beine in die Hand nehmen, bevor ihre negativen Gefühle auf dich überspringen.

4. Achte doppelt darauf, wie du in E-Mails wirkst

E-Mails, Videokonferenzen oder Messenger wie Slack können die ganze Sache noch komplizierter machen. Missverständnisse sind quasi vorprogrammiert, denn unsere Nachrichten kommen ohne Körpersprache und Mimik beim Empfänger an. Daher ist es wichtig, unmissverständlich zu schreiben und deine Aussagen noch freundlicher zu formulieren, als du es im direkten Gespräch tun würdest. Nutze Ausrufezeichen sparsam und nur dann, wenn du etwas Motivierendes sagen möchtest. Auch bei Humor und Sarkasmus ist Vorsicht geboten.

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