Mitarbeiter des Monats: Im goldenen Rahmen zwischen Klo und Kantine

Mitarbeiter des Monats

Bei einer weltbekannten Fast-Food-Kette soll er in einem Rahmen zwischen Herrenklo und Kantine hängen – der Mitarbeiter des Monats. Was in den USA ein beliebtes Belohnungssystem ist, hat sich auch vor Jahren seinen Weg in deutsche Unternehmen gebahnt. Aber ist es wirklich noch zeitgemäß einen Mitarbeiter pro Monat den Teamkollegen auf dem goldenen Tablett zu servieren? Wir sehen das nicht so!

Motiviert man so seine Mitarbeiter?

Der Mitarbeiter des Monats – er hat die Zahnbürste griffbereit im Rollcontainer und den Ersatzanzug im Spind hängen – schließlich kann es ja mal wieder später werden und er tauscht das heimische Bett gegen die Designer-Office-Couch. So stellt man ihn sich doch vor, den Traummitarbeiter, oder? (Ironie off) Ganz selbstlos leistet er eine unbezahlte Überstunde nach der nächsten, die er in literweise schlechtem Filterkaffee aus der Kaffeeküche ertränkt. Am Ende des Monats dankt ihm der Chef für seine aufopferungsvollen Taten mit einem gerahmten Bild zwischen Toilette und Kaffeeküche sowie dem Titel “Mitarbeiter des Monats”. Ganz ehrlich: Motiviert man so seine Mitarbeiter?

Studien rund um den Mitarbeiter des Monats

Über die Sinnhaftigkeit des Mitarbeiter des Monats streiten sich seit Jahren diverse Berater, Coaches, Psychologen und Soziologen. “Die” Antwort auf die Frage: “Top oder Flop?” gibt es nicht. Dennoch beschäftigen sich zahlreiche Studien mit dieser Thematik. Iwan Barankay, Management Professor an der Wharton School, zog aus mehreren seiner Studien das Fazit, dass relatives Feedback maximal die Besten motiviert. Auf “schlechtere” Mitarbeiter wirkt es demotivierend, da diese keine Chance sehen, beispielsweise zum Mitarbeiter des Monats aufzusteigen. Das Ergebnis: Sie leisten nur noch Dienst nach Vorschrift.

Eine weitere Studien stammt von der Rotterdam School of Management rund um den Studienautor und Dozenten für Innovationsmanagement Dirk Deichmann. Die Studie beschäftigt sich mit dem Thema Belohnungssysteme – zudem ja auch der Mitarbeiter des Monats gehört. Dirk Deichmann und sein Team waren davon ausgegangen, dass die Vorbildfunktion in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt. Beispielsweise ließ sich in anderen Studien beobachten, dass das Verhalten der Führungskraft einen großen Einfluss auf die Mitarbeiter hat. Nahm der Chef als Vater Elternzeit, schlossen sich viele männliche Mitarbeiter an. Doch diese Beobachtung lässt sich nicht auf Belohnungssysteme wie den Mitarbeiter des Monats übertragen. Vielmehr ergab die Studie, dass hier eine klare Definition eine große Rolle spielt. Es muss ganz deutlich und mit konkreten Beispielen kommuniziert werden, weshalb Kollege XY zum Mitarbeiter des Monats ernannt wurde. Andernfalls wirkt es demotivierend auf die restlichen Kollegen.

Wertschätzung und Lob Mitarbeiter

Wertschätzung geht auch anders

In unseren Augen fördert die Auszeichnung eines einzelnen Mitarbeiters erst recht Ellbogen-Mentalität, Ausgrenzungen, Mobbing und Lästereien in einem Unternehmen. Und wer will das schon?! Schließlich sollte es doch das Ziel sein, ein Team zu haben, was wunderbar miteinander klar kommt und zusammen gute Leistungen erbringt. Hebt man eine Person aus dieser Menge heraus, wird das immer zu Unmut führen. Daher solltest du dir Alternativen zum Foto im goldenen Rahmen überlegen – denn Wertschätzung lässt sich auch anders zeigen!

Hier sind ein paar Denkanstöße:

  • Dein Lob sollte immer ernst gemeint sein und von Herzen kommen.
  • Mach deinen Mitarbeiter regelmäßig klar, wie wichtig jede einzelne Leistung für den Erfolg des Unternehmens ist.
  • Ein Kopfnicken, eine interessierte Rückfrage, eine kurze Dankesnachricht, eine Bitte um Rat, ein anerkennendes Lächeln oder einfach konzentriert zuhören – oft sind es die kleinen Gesten, die deinem Mitarbeiter Wertschätzung zeigen.
  • Vergiss im stressigen Alltag nicht, dich auch mal bei Mitarbeitern zu bedanken oder sie zu loben. Wenn von deiner Seite aus kein Feedback kommt, wirkt dies demotivierend. Denk daran, wenn zum Beispiel beim nächsten Mal wieder ein Mitarbeiterin ganz selbstverständlich die Aufgaben des kranken Kollegen übernimmt.

Nun sind wir am Ende des Artikels angekommen: Und? Hast du den goldenen Rahmen schon auf Nimmerwiedersehen in deinem Rollcontainer versteckt? Vielleicht konnten wir dir einige Denkanstöße mit auf den Weg geben, dieses System doch noch einmal zu überdenken. Schau dir doch gerne auch noch unseren Blogartikel zum Thema Mitarbeitermotivation an. Dort findest du weitere Inspirationen!

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