Mehr Mut im Job: So überwindest du mit Übung (und etwas Glück) erfolgreich Selbstblockaden

mehr mut im job

Wünschst du dir manchmal, du wärst nur ein kleines bisschen mutiger? Träumst du davon, bei Meetings leichter den Mund aufzumachen oder ohne schlechtes Gewissen Aufgaben zu delegieren, für die du überhaupt nicht zuständig bist? Oder drückst du dich seit Wochen davor, mit dem Personalchef über die unangemessenen Bemerkungen eines Kollegen zu sprechen?

Was ist Mut?

Um in der heutigen Arbeitswelt zu überleben, braucht man eine ordentliche Portion Mut. Doch was ist Mut überhaupt? Eine der besten Definition habe ich vor einiger Zeit im Online-Portal Reddit gesehen: „Mut beschreibt eine Situation, in der man zwar Angst hat, aber trotzdem weitermacht“. Und es stimmt: Mut ist keineswegs das Fehlen von Angst, ganz im Gegenteil. So wie man ohne Mehl keinen Kuchen backen kann, kann man ohne Angst auch nicht mutig sein. Letztendlich ist Mut nichts anderes als die Fähigkeit, die eigene Angst so unter Kontrolle zu haben, dass sie uns nicht im Weg steht.

Auch William Ian Miller, Rechtsprofessor an der University of Michigan, beschreibt Mut in seinem Buch „The Mystery of Courage“ als eine Tugend, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Es wird kaum einen Menschen geben, der in jeder erdenklichen Situation mutig ist. Vielleicht könntest du ohne Probleme einen jüngeren Kollegen zur Rechenschaft ziehen, wenn er sich unangemessen verhalten hat. Bei einem anderen Manager oder einem Geschäftsführer sähe die Sache aber womöglich ganz anders aus. Außerdem ist man noch lange nicht mutig, nur weil man nichts Feiges tut. Manager halten gern am Status quo fest, um keine unkalkulierbaren Risiken einzugehen. Zu Feiglingen macht sie das sicher nicht, aber zu mutigen Visionären ebenso wenig.

Mutig war beispielsweise eine Entscheidung, die 1985 beim kanadischen Statistikamt getroffen wurde. Damals hatten massive Haushaltskürzungen der Regierung die Behörde in eine schwierige Lage gebracht. Doch anstatt zum Rotstift zu greifen und hunderte Stellen zu streichen, hatte Dr. Ivan Fellegi, der Leiter der Behörde, eine ganz andere Idee: Er versprach den Betroffenen eine Umschulung und sicherte ihnen neue Positionen in der Organisation zu – auch wenn sie nicht unbedingt die idealen Kandidaten dafür waren.

Seine Entscheidung, so kontrovers und riskant sie auch war, entpuppte sich als ein wahrer Segen: Die Organisation wurde flexibler und robuster. Die Beschäftigten erwarben wertvolle neue Qualifikationen. Die vielen internen Querelen, die das Arbeitsklima vergiftet hatten, lösten sich in Luft auf. Und je mehr die Behörde in Weiterbildung investierte, desto größer und besser wurde sie und machte sich schließlich einen Ruf als eines der besten Statistikämter weltweit.

Wenn mutige Entscheidungen so tiefgreifende Veränderungen herbeiführen können, dann macht es durchaus Sinn, Courage auch und insbesondere am Arbeitsplatz zu fördern. Doch wo anfangen? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es leider nicht, aber mit ein bisschen Übung und einem Fünkchen Glück kann man durchaus lernen, sich Herausforderungen selbstbewusst und souverän zu stellen.

mut ist alles

1. Die Macht der Gene

Es ist gut möglich, dass manche Menschen mit einer genetischen Veranlagung geboren werden, die mutiges Handeln begünstigt. Ob jemand vor einer Gefahr davonläuft oder sich ihr stellt, ist immer auch eine Frage der Persönlichkeit. Laut einer 2008 durchgeführten Studie gibt die Persönlichkeit eines Menschen Aufschluss darüber, wie gut er mit Ausgrenzung umgehen kann. Je höher die Toleranzschwelle, desto mutiger ist man. Natürlich steigt aber auch die Gefahr, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden.

2. Übung macht den Meister

Mut erfordert weder physische Kraft noch eine gute körperliche Verfassung, sondern schlicht und ergreifend konsequentes geistiges Training. Begib dich bewusst in Situationen, in denen du wenigstens ein kleines Risiko eingehen musst oder um die du am liebsten einen großen Bogen machen würdest. Bringen dich Networking-Events ins Schwitzen? Dann komm beim nächsten Mal besonders früh und überwinde dich, wenigstens fünf Visitenkarten zu verteilen. Wenn du dein Ziel erreicht hast, darfst du wieder gehen.

3. Lass dich inspirieren

Lies Geschichten über mutige Menschen. Zum Beispiel den Roman „The Society of Timid Souls“ von Polly Morland mit zahlreichen Anekdoten über echte Alltagshelden. Aber auch zum Beispiel bei der Online-Plattform Quora findest du eine beeindruckende Sammlung an Geschichten über Menschen, die ihrer Angst ins Auge gesehen haben. Je mehr du darüber lernst, wie andere ihre Furcht überwunden und sich einer Herausforderung gestellt haben, desto besser programmierst du dein eigenes Gehirn darauf, ebenso couragiert zu handeln.

4. Lass dich nicht unterkriegen

Während des amerikanischen Bürgerkriegs war Fahnenflucht an der Tagesordnung – auf beiden Seiten der Front. Männer, die um ihr Leben fürchteten, versuchten ganz einfach, dem Krieg zu entkommen. Weniger bekannt ist aber die Tatsache, dass einige Soldaten wieder zurückkamen, sobald sich der Rauch verzogen hatte. Diese Männer wurden nicht als Deserteure verfolgt. Sowohl ihre Befehlshaber als auch ihre Kameraden wussten, dass sie einfach nur für einen kurzen Moment der Mut verlassen hatte, sie aber couragiert genug waren, weiterzukämpfen.

Manche Leute glauben, dass sie erst dann am Ziel sind, wenn sie überhaupt keine Angst mehr haben. Doch darum geht es gar nicht. Natürlich solltest du keine Chance auslassen, dich deinen Ängsten zu stellen. Doch wenn es einmal nicht klappt, dann versinke nicht in Selbsthass. Schau nach vorn und akzeptiere dich so, wie du bist. Die nächste Gelegenheit, Mut zu beweisen, kommt bestimmt!

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